Jusos Lichtenberg

Werte

Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind die Grundsäulen unseres politischen Handelns. Sozialismus, Feminismus und Internationalismus die Prinzipien, denen wir unsere Arbeit verschrieben haben.

Freiheit

bedeutet die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben. Jeder Mensch ist zur Freiheit berufen und befähigt. Ob er dieser Berufung entsprechend leben kann, entscheidet sich in der Gesellschaft. Er muss frei sein von entwürdigenden Abhängigkeiten, von Not und von Furcht, und er muss die Chance haben, seine Fähigkeiten zu entfalten und in Gesellschaft und Politik verantwortlich mitzuwirken. Nur wer sich sozial ausreichend gesichert weiß, kann seine Freiheit nutzen.

Die Freiheit des Einzelnen endet, wo sie die Freiheit des Anderen verletzt. Wer anderen Unfreiheit zumutet, kann auf Dauer selbst nicht frei sein.

Gerechtigkeit

gründet in der gleichen Würde jedes Menschen. Sie bedeutet gleiche Freiheit und gleiche Lebenschancen, unabhängig von Herkunft oder Geschlecht. Also meint Gerechtigkeit gleiche Teilhabe an Bildung, Arbeit, sozialer Sicherheit, Kultur und Demokratie, gleichen Zugang zu allen öffentlichen Gütern. Wo die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen die Gesellschaft teilt in solche, die über andere verfügen, und solche, über die verfügt wird, verstößt sie gegen die gleiche Freiheit und ist darum ungerecht. Daher erfordert Gerechtigkeit mehr Gleichheit in der Verteilung von Einkommen, Vermögen und Macht. Denn große Ungleichheiten in deren Verteilung gefährden die Gleichheit der Lebenschancen. Deswegen ist die soziale Demokratie notwendig.

Gleiche Lebenschancen bedeuten nicht Gleichmacherei. Im Gegenteil: Sie bieten Raum für die Entfaltung individueller Neigungen und Fähigkeiten. Menschen sind und bleiben verschieden. Aber natürliche Ungleichheiten und soziale Herkünfte dürfen nicht zum sozialen Schicksal werden. Lebenswege dürfen nicht von vornherein festgelegt sein. Wir wenden uns gegen jede Form von Privilegien oder Benachteiligungen aufgrund der Herkunft, des Standes, der Hautfarbe, des Geschlechts,der sexuellen Orientierung, der Religion.

Leistung muss anerkannt und respektiert werden. Eigentum verpflichtet: Wer überdurchschnittlich verdient, mehr Vermögen besitzt als andere, muss auch mehr zum Wohl der Gesellschaft beitragen.

Solidarität

bedeutet wechselseitige Verbundenheit, Zusammengehörigkeit und Hilfe. Sie ist die Bereitschaft der Menschen, füreinander einzustehen und sich gegenseitig zu helfen. Sie gilt zwischen Starken und Schwachen, zwischen Generationen, zwischen den Völkern. Solidarität schafft Macht zur Veränderung, das ist die Erfahrung der Arbeiterbewegung. Solidarität ist eine starke Kraft, die unsere Gesellschaft zusammenhält – in spontaner und individueller Hilfsbereitschaft, mit gemeinsamen Regeln und Organisationen, im Sozialstaat als politisch verbürgter und organisierter Solidarität.

Sozialismus

Wir Jusos sind Sozialist*innen. Wir glauben, dass die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse die Menschen in ihrer Freiheit begrenzen und damit ihre Entfaltung in allen Lebensbereichen hemmen.  Sozialist*in sein, bedeutet ein emanzipatorisches Gesellschaftsverständnis zu haben. Wir wollen die Menschen befähigen die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse hin zu einer Gesellschaft der Freien und Gleichen zu verändern.

Sozialist*in sein geht für uns Hand in Hand damit, Demokrat*in zu sein. Wir wollen diese demokratischen Grundsätze auf alle Lebensbereiche ausdehnen, insbesondere auch auf die Wirtschaft. Als Jusos kämpfen wir dafür, dass diejenigen über ihre Arbeit bestimmen, die sie verrichten. Wir wollen den Zustand beenden, dass die Eigentümer*innen allein über die Firmen bestimmen und dafür auch noch den Gewinn einstreichen, den andere erarbeiten.

Dieser Widerspruch von Kapital und Arbeit, den wir auflösen wollen, steht im Zentrum unserer Analyse der aktuellen Gesellschaft. Dabei berufen wir uns insbesondere auf Marx. Wir widmen zwar dem Bereich der Wirtschaft, sowie Arbeit große Aufmerksamkeit und sehen hier besondere Herausforderungen; andere gesellschaftliche Probleme, wie das Patriarchat, Rassismus und Rechtsradikalismus stehen aber gleichberechtigt daneben.

Die sozialistische Gesellschaft, die wir anstreben, ist nicht perfekt und damit unveränderlich, sondern ein stetiger Prozess in der Bemühung, es den 90% der Menschen besser gehen zu lassen.

Die Geschichte der Sozialdemokratie ist geprägt von der Idee des demokratischen Sozialismus, einer Gesellschaft der Freien und Gleichen, in der unsere Grundwerte verwirklicht sind. Sie verlangt eine Ordnung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft, in der die bürgerlichen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Grundrechte für alle Menschen garantiert sind, alle Menschen ein Leben ohne Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt, also in sozialer und menschlicher Sicherheit führen können.

 

Feminismus

Wir sind ein feministischer Richtungsverband. Das heißt für uns, dass all unsere Politik immer auch das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter verfolgt.

Dabei ist uns klar, dass die Binarität in der unsere Gesellschaft Menschen nur nach Mann und Frau sortiert, eine konstruierte Einteilung ist, die alle Menschen diskriminiert, die sich nicht im binären Geschlechtersystem wiederfinden, die trans*, interident* oder non gender conform sind. Trotzdem sehen wir, dass diese Kategorien, unsere Gesellschaft heute noch an viele Stellen strukturieren. Denn wir leben weiterhin im Patriarchat. Und es sind vorallem Frauen*, die in unserer Gesellschaft immer noch struktureller Diskriminierung ausgesetzt sind.

Frauen* verdienen durchschnittlich 21 Prozent weniger als Männer*. Dafür gibt es unterschiedliche Ursachen: Zum einen werden Frauen* für den gleichen Job oftmals schlechter bezahlt als männliche Kollegen, sie haben oft schlechtere Karrierechancen und stoßen an gläserne Decken. Zum anderen werden einige Berufe, die vor allem von Frauen* ausgeübt werden, insgesamt geringer entlohnt. Dazu gehört insbesondere die Care- oder Sorgearbeit, zum Beispiel die Pflege, die frühkindliche Bildung oder Reinigungsarbeiten.

Aber auch über die Erwerbsarbeit hinaus sind materielle Diskriminierungen sichtbar. Der Gender Pension Gap zeigt, dass auch im Alter Frauen durchschnittlich mit deutlich weniger auskommen müssen (2015 waren es 53 Prozent). Auch das Risiko von Altersarmut betroffen zu sein ist für Frauen* deutlich höher als für Männer. Dies liegt unter Anderem daran, dass Frauen* häufiger ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen und über längere Zeit nicht arbeiten, meist aufgrund von Care-Arbeit die sie unbezahlt übernehmen, wie Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Daraus ergeben sich weiter geschlechterspezifische Ungerechtigkeiten, denn Frauen haben dadurch durchschnittlich 30 Minuten weniger Freizeit am Tag.

Wir wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit und das wollen wir auch gesetzlich festschreiben. Wir brauchen eine Neuorganisation von Care-Arbeit. Dazu gehört gut bezahlte und professionalisierte Care-Arbeit und eine staatlich organisierte, gut ausgebaute Care-Infrastruktur, die keinen ökonomischen Zwängen unterworfen ist. Gleichzeitig brauchen wir dafür auch die Hälfte der Macht in der Leitungsebene: es muss als mindestens so viele Chefinnen* wie Chefs geben.

Auch im Privaten muss Care-Arbeit endlich geschlechtergerecht organisiert werden. Dafür brauchen wir kostenlose Kinderbetreuung, veränderte Arbeitsstrukturen und einen Kulturwandel, der allen ein Recht auf befristete Teilzeit zugesteht. Auch die Elternzeit muss dann stärker paritätisch verteilt werden.

My body – my choice! Zur tatsächlichen Geleichstellung gehört auch das körperliche und sexuelle Selbstbestimmungsrecht aller Frauen*. Nach wie vor ist ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland illegal, auch wenn er unter strengen Bedingungen straffrei sein kann. Frauen* die sich für einen Abbruch entscheiden haben deshalb bis heute mit Stigmatisierung und Tabuisierung zu kämpfen. Außerdem ist eine Finanzierung durch die Krankenkasse dadurch nicht möglich. Wir wollen ein echtes Informationsrecht und die Entkriminalisierung.

Menschen werden nicht nur auf Grund des Geschlechts benachteiligt. Dies ist nur eine der Ebenen auf denen Menschen Diskriminierung erfahren. Herkunft, Hautfarbe oder Migrationshintergrund, finanzielle Situation, also Klasse, oder Sexualität sind auch Grund für Diskriminierung. Diese Ebenen lassen sich nicht simpel addieren, sondern beeinflussen und verstärken einander. Unser Feminismus ist deshalb intersektional.

Internationalismus

Die sozialistische Bewegung kannte von Beginn an keine Grenzen. Viele Herausforderungen wie der Klimawandel oder die soziale Ungleichheit lassen sich nicht mehr im nationalen Rahmen lösen. Die internationale Zusammenarbeit mit unseren Schwesterorganisationen ist uns aber auch unabhängig davon in die DNA geschrieben. Das Streben nach einer solidarischeren Gesellschaft verbindet uns mehr als Nationalitäten uns trennen könnten. Deshalb arbeiten wir an der Durchsetzung unserer Ziele zusammen mit unseren Schwesterorganisationen auf der ganzen Welt. In Europa sind das die Young European Socialists (YES) und weltweit die International Union of Socialist Youth (IUSY).

Besonders großes Bedeutung hat für uns das Willy-Brandt-Center Jerusalem (WBC). Hier arbeiten wir Jusos als Partner mit unseren israelisch und palästinensischen Schwesterorganisationen zusammen. Im Sinne der doppelten Solidarität mit progressiven Kräften auf beiden Seiten werden hier Delegationsreisen, Seminare und Fortbildungen organisiert. Das WBC steht allen Jusos als Ansprechpartner in Fragen der Friedens- und Aussöhnungspolitik zur Verfügung.

Junge Sozialisten in der SPD