Der Baader-Meinhof-Komplex am Sonntag, 28. September

Liebe Jusos und Interessierte,

Wir wollen heute Abend gemeinsam den Film “Der Baader-Meinhof-Komplex” schauen. Viel ist gesagt und geschrieben worden, und nun werden wir uns unsere eigene Meinung bilden.
Dazu treffen sich alle Interessierten heute Abend, 19:30 vor dem Kino Cubix am Alexanderplatz.
Diese Info kommt sehr kurzfristig, ging aber bereits schon durch den Email-Verteiler.

Stefan Unger

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2 Antworten zu “Der Baader-Meinhof-Komplex am Sonntag, 28. September”

  1. Stefan sagt:

    Noch über die Schlussszene hinaus erzeugte der Film eine gespenstische Ruhe im Kinosaal, bis die sanften Klänge Bob Dylans (How many Roads) den Kinobesucher zurück in die Realität holten. Hinter ihm lag ein zweieinhalbstündiger Ritt durch die Geschichte der RAF, deren Motive und Taten. Alles andere als ein Bildungspolitischer Film nimmt die auf dem Buch von Stefan Aust basierte Erzählung die Perspektive der Täter ein. Viel Zeit wird der Entstehung einer „revolutionären Identität“ der Gruppe um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Esslin gewidmet. Dabei scheint die geneigte Zuschauerin den Eindruck zu gewinnen, fast die gesamte Bevölkerung sympathisiere mit den Terroristen. Dem Film gelingt es in diesem Moment nicht, eine kritische Perspektive zu sich selbst zu finden, vielmehr verharrt er in den Tiefen von den Rechtfertigungsansätzen der Ulrike Meinhof. So beschränkt sich der Film auf eine zwei Fronten Darstellung einer politischen Auseinandersetzung, die als solche umfangreicher und vielschichtiger gewesen ist. Einzig der Leiter des Bundeskriminalamtes, gespielt von Bruno Ganz, schlägt die Brücke zwischen den Welten und sucht als Jäger der Terroristen zumindest die Motive und psychologischen Hintergründe ihrer Taten zu verstehen.
    Dem an Action interessierten Zuschauer mag die lange Anlaufzeit gefallen, die der Film unternimmt, bevor „Großen Aktionen“ der Terroristen auf die Leinwand kommen. Dieser Ablauf darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem Film vor allem gen Ende an einigen wichtigen Blickwinkeln fehlt. Fast ungehört verhallen die Kommentare Baaders, die 2. und 3. Generation der RAF seien aus den Fugen geraten und agierten auf eigene Rechnung. Vor allem vor dem Hintergrund dieser noch nicht abschließend bewerteten Verbindungen stünde dem Film eine kritischere Perspektive besser.
    Abschließend ist der Baader Meinhof Komplex ein vorraussetzungsvoller Film, dem es trotz gelungenem Perspektivwechsel an kritischer Distanz und Ausgewogenheit fehlt. Kein Bildungsfilm, keine seichte Unterhaltung, wohl aber eine Anregung für viele Diskussionen.

  2. Oliver sagt:

    Der Film ist als P12 von der freiwilligen Selbskontrolle freigegeben. Das ist ein Skandal für sich. Da die Filmemacher nicht auf brutale Nachstellungen der Gewaltakte verzichten wollten, was nicht notwendig war, sollte er mindestens als P18 freigegeben werden.

    Abgesehen davon ist der Film eine gelungene Mileustudie der militanten RAF-Szene. Wie Stefan schon geschrieben hat, ist sie facettenreich, aber nicht vollständig. Insbesondere hat sich der Film mit den Opferperspektiven kaum beschäftigt.

    Dafür hat der Film die RAF in den Kontext der damaligen Zeit mit Studentenprotesten, konservativen Strukturen in der Bundesrepublik, der weltweiten Auseinandersetzung zwischen der “sozialistischen” und der “freien” Welt, dem Israel-Palästina-Konflikts und dem Vietnamkrieg gesetzt.

    Im Nachgespräch sind wir uns nicht einig geworden, ob die Exzesse der RAF Ausdruck gewöhnlicher impulsiver “Schwerkriminalität” waren oder nicht ohne die weltpolitischen Begleitumstände verstanden werden können. Obwohl der Film aufklärte und moralisierte, stellte er mehr Fragen, als er Antworten gab.

    Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, politische Filme zu schauen und zu diskutieren.

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