„Berliner Tatorte“ – Dokumente rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

Seit 2002 dokumentiert ReachOut, die Berliner Opferberatungsstelle, gewalttätige Angriffe mit rechtem, rassistischem und antisemitischem Hintergrund in einer berlinweiten Chronik. Später entstand die Idee, die Chronik als Ausstellung aufzubauen. Die Jusos sowie die Abteilungen 5 Friedrichsfelde und 1 Neu-Hohenschönhausen wollen gemeinsam diese Ausstellung, die nur noch wenige Tage gezeigt wird, besuchen. Begleitet und geführt wird unser Besuch durch eine Mitarbeiterin von „ReachOut“.

Wir treffen uns am Mittwoch, den 12. November um 18 Uhr im Soziokulturellem Zentrum KULTschule (Sewanstraße 43, 10319 Berlin)
(Buslinien 194 bis Michiganseestr./ 396 bis Wöhnichstr./ 296 und 396 bis Balatonstr., S 3 bis Betriebsbahnhof Rummelsburg)

Der Besuch der Ausstellung dauert ungefähr eine Stunde, so dass eine Teilnahme an den Veranstaltungen in den Abteilungen 4 und 6 im Anschluss noch möglich ist.

Ein Gedanke zu „„Berliner Tatorte“ – Dokumente rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.“

  1. Jusos gegen Rechte Gewalt
    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0310/berlin/0035/index.html
    Artikel aus der Berliner Zeitung vom 10.03.2009

    Rechte Täter schlagen schneller zu
    Beratungsstelle registrierte eine Zunahme rechter Gewalt
    Stefan Strauss

    In Berlin ist die Gefahr größer geworden, von rechten Tätern angegriffen, angepöbelt und geschlagen zu werden. Die Zahl rechter Gewaltvorfälle gegen Ausländer, Linke und Schwule ist im vergangenen Jahr angestiegen. Das hat Reachout, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, auf Grundlage registrierter Gewaltvorfälle im Jahr 2008 festgestellt. „Es scheint, als sinke eine Hemmschwelle, im Vorbeigehen einfach mal zuzuschlagen“, sagt Sabine Seyb von Reachout.

    Rassistisch motivierte Angriffe hätten „massiv zugenommen“, sagt sie. Registrierte die Beratungsstelle im Jahr 2007 insgesamt 39 rassistisch motivierte Vorfälle in der Stadt, stieg die Zahl im Jahr 2008 auf 65 an. Das Altersspektrum der Täter sei breiter geworden, ebenso ihr Erscheinungsbild: „Auch scheinbar ganz normale Menschen tragen ihre rassistische Einstellung jetzt häufiger nach außen und schlagen völlig unvermittelt zu“, so Seyb. Die Jahresstatistik beruht auf Angaben der Polizei, Presseberichten und Aussagen von Opfern und Zeugen.

    Die meisten rechtsgerichteten Vorfälle gab es 2008 im als links-alternativ geltenden Ortsteil Friedrichshain. Mittlerweile bewegten sich dort die organisierten Rechten völlig selbstverständlich auf der Straße, sagt Stephan Kuhlmann vom Register Friedrichshain. „Sie warten vor linken Kneipen und alternativen Hausprojekten auf ihre Opfer. Vor allem am Wochenende kommt es dort häufig zu Übergriffen“, sagt Kuhlmann.

    Im Register werden anders als bei Reachout auch Vorfälle dokumentiert, die nicht zur Anzeige bei der Polizei gebracht werden, etwa Pöbeleien, rechte Aufkleber und Veranstaltungen rechtsgerichteter Gruppen. Solche Register gibt es auch in Treptow-Köpenick, Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg. Die Projekte werden aus Mitteln der Bezirke, des Landes Berlin und vom Bund finanziert.

    Auch in Pankow stieg die Anzahl rechter Gewaltvorfälle von 79 im Jahr 2007 auf 133 im Jahr 2008. Das ist eine Steigerung um 68 Prozent. Als Zentren rechter Gewalt gelten das Pankower Zentrum und Prenzlauer Berg. Fei Kaldrack vom Register Pankow sagt, Rechte würden zunehmend häufiger Personen bedrohen, die sich gegen rechts engagieren und als Antifas bekannt sind. „Es gibt gezielte Einschüchterungen gegen sie, persönlich, telefonisch und per E-Mail“, sagt Fei Kaldrack. So verschickten Neonazis im April 2008 per E-Mail eine Morddrohung an den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jusos, Fabian Weißbarth, der in Pankow lebt. In der E-Mail stand: „solltest du das nächste mal komisch angeguckt werden, renn um dein leben du hurensohn denn die anti-antifa ist dann am start.“

    Die Mitarbeiter von Reachout und der bezirklichen Register kritisieren das Verhalten der Polizei, wenn es um rassistische Vorfälle geht. „Manche Beamte in den Polizeiabschnitten sind da wenig sensibilisiert“, sagt Sabine Seyb. Bei dem Verdacht einer rechtsextremen Straftat sei es keine Selbstverständlichkeit, diese Fälle dem Staatsschutz zu übergeben. Opfer rechter Gewalt würden nicht ausreichend über die Verfahren informiert. „Ihnen fehlt dann das Vertrauen in die Ermittlungsarbeit der Polizei.“ Ein Polizeisprecher sagte: „Wir nehmen die Arbeit von Reachout ernst und arbeiten gut zusammen.“

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