Kategorie-Archiv: Allgemein

Einladung zur Juso-Sitzung am 10.04.2015 um 18:30 Uhr – Thema: Jufgendberufsagenturen

Liebe Jusos, liebe Interessierte,

der Vorstand der Jusos Lichtenberg lädt euch recht herzlich zur Sitzung im Monat April  ein!

Berlin hat mit etwa 11 Prozent die höchste Jugendarbeitslosigkeit im gesamten Bundesgebiet. Noch immer finden junge Erwachsene in unserer Stadt keine Lehrstelle oder brechen ihre Ausbildung aus verschiedensten Gründen vorzeitig ab.

Die Einführung einer Jugendberufsagentur soll diesem Problem nun Abhilfe verschaffen.

Nach langem politischen Ringen nehmen im Herbst diesen Jahres die ersten Jugendberufsagenturen pilothaft in vier Berliner Bezirken ihre Tätigkeit auf.

Ziel ist es, die Jugendarbeitslosigkeit zu senken durch eine Bündelung aller bereits vorhandenen Maßnahmen, Ressourcen, Anlaufstellen und Ansprechpartner im Bereich Ausbildung und Beruf.

In unseren Juso-Sitzungen im April wollen wir das Modell der Jugendberufsagentur ein wenig näher beleuchten.

Wie sieht das geplante Konzept für Berlin aus? Was kostet es und welche Erfahrungen wurden bereits gemacht?

Darüber hinaus möchten wir eine neue Vertreterin der Jusos Lichtenberg für den erweiterten Landesvorstand der Jusos Berlin nominieren. Interessierte Genossinnen können sich gerne melden.

Zudem bietet die Sitzung Raum für Diskussion über die aktuelle politische Lage, sowie Berichte über stattgefundene Termine.

Das und vieles weiteres haben wir in unserer Aprilsitzung vor. Wir freuen uns auf eine spannende Sitzung mit euch.

Sitzungsort: Kreisbüro der SPD Lichtenberg, Rathausstraße 7, 10367 Berlin

Beginn der Sitzung: 18:30 Uhr; 10.04.2015

Folgende Tagesordnung wird vorgeschlagen:

  1. Begrüßung und Bestätigung der Tagesordnung
  2. Kurzinput: Die gesetzliche Quote – Ein zentrales Anliegen der SPD ist durchgesetzt!?
  3. Das Konzept der Jugendberufsagenturen – Eine einführung
  4. aktuelle politische Lage
  5. Nominierung Vertreterin der Jusos Lichtenberg im erweiterten Landesvorstand der Jusos Berlin
  6. Anträge
  7. Berichte
  8. Termine
  9. Feedback an den Vorstand
  10. Sonstiges

Bei Fragen, Anregungen oder Hinweise könnt ihr euch jederzeit bei uns melden.

Wir freuen uns auf euch.

Aufruf zu Kundgebungen am 11. Februar in Hohenschönhausen

Das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz ruft erneut dazu auf, am Mittwoch den 11. Februar 2015 ab 18 Uhr Solidarität mit den neuen Nachbar_innen in der Notunterkunft für Flüchtlinge in der Klützerstraße zu zeigen.

Zum fünften Mal in diesem Jahr wird über die der Facebookseite „Kein Asylanten- Containerdorf in Falkenberg“ zu einem rassistischen Aufmarsch mobilisiert. Organsiert werden diese Aufmärsche von bekannten extrem rechten Aktivist/innen und Vertreter/innen der extrem rechten Parteien Die Rechte sowie der NPD.
Das Recht auf Asyl ist im deutschen Grundgesetz verankert und beinhaltet den Schutz der Person und die Bereitstellung von Mittel zur Existenzsicherung, wie zum Beispiel eine Unterkunft.
Unser Ziel ist es nicht, die Debatte über die Unterbringung von Flüchtlingen durch Demonstrationen zu ersetzen. Wir wollen jedoch deutlich machen, dass Rassismus und Ausgrenzung in Hohenschönhausen und anderswo keinen Platz hat.

Darum ruft das Lichtenberger Bündnis auf, sich an den Kundgebungen an den beiden Kundgebungen zu beteiligen: gegen rassistische Parolen und für die Solidarität mit Flüchtlingen. Ganz nach dem Motto der Kampagne Bunter Wind für Lichtenberg: „Bunt und Vielfältig gegen Neonazis und Rassisten!“

Für einen bunten und vielfältigen Protest: Bringt Transparente, Plakate, Lampions, Trillerpfeifen, Taschenlampen und Tröten mit.

Kommt alle zu den Kundgebungen in Hohenschönhausen: 

18:00 Uhr – Egon-Erwin-Kisch-Str. (Vor dem Bürgeramt, Nähe S-Bhf. Hohenschönhausen)
18:00 Uhr – Falkenberger Chaussee / Vincent-van-Gogh-Straße

Der bunte Wind weht stetig in Lichtenberg

von Kevin Hönicke

Wöchentliche Demonstrationen, in welchen gegen geflüchtete Menschen Stimmung gemacht werden, um dabei Vorurteile und Ausgrenzung zu verfestigen und Fremdenfeindlichkeit zu schüren, sind allen spätestens durch die Abendnachrichten bekannt. Aber nicht nur in Städten wie Dresden finden solche Demonstrationen statt. Nein, auch im Bezirk Lichtenberg finden wöchentlich in der Nähe von Unterkünften für geflüchtete Menschen (rassistische) Demonstrationen statt. Bei den Organisatoren dieser Demonstrationen handelt es sich dabei nicht um besorgte Bürgerinnen und Bürger, sondern um bekannte Menschen aus dem rechten Spektrum beziehungsweise von rechten Parteien. Jede Woche wollen Sie auf solchen Demonstrationen Angst, Schrecken und Gerüchte verbreiten, welche zu einer Ablehnung von geflüchteten Menschen und zur Fremdenfeindlichkeit führen sollen.

Die Initiative „Bunter Wind für Lichtenberg“ stellt sich diesen Demonstrationen und solchen Tendenzen glücklicherweise stets entgegen und organisiert, in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz in Lichtenberg, bunte und laute Gegendemonstrationen. Unterstützung ist hierbei stets gerne gesehen und kann sich vielfältig darstellen. Ob bei der Organisation von Veranstaltungen, bei der Hilfe vor Ort oder mit ganz eigenen Ideen. Informationen finden sich unter: https://bunterwind.wordpress.com

Wichtig ist es, dass Zeichen für Toleranz und menschliches Miteinander weiterhin gesetzt werden.

Gemeinsame Veranstaltung der Jusos Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf

Liebe Genoss*innen, liebe Interessierte,

wir Jusos fühlen uns dem Internationalismus und der internationalen Solidarität verpflichtet. Aus dem langen und engen Kontakt zu Genoss*innen aus Belarus entstand schließlich der Entschluss, sie dort zu besuchen. Nach einiger Planung ist schließlich im November 2014 eine 8-köpfige Delegation der Jusos Berlin nach Minsk gereist, um die Genoss*innen und ihre Arbeit besser kennen zu lernen und um sich ein Bild von der politischen Situation vor Ort zu machen. Schnell wurde klar, dass es keine normale Delegationsreise war und dass vieles dort Erlebte auch weitergegeben werden soll.

Daher haben sich die Vorstände der Jusos Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf dazu entschieden, die Delegation zu einer gemeinsamen Veranstaltung außerhalb unserer regulären Sitzung einzuladen und ihnen die Möglichkeit zu geben, von ihren Erfahrungen vor Ort zu berichten. Dabei soll sowohl über die Reise selbst als auch über die politische Situation gesprochen werden – dazu laden wir Euch herzlich ein!

Wann: 06.02.15, 19:00

Wo: AWO Hellersdorf, Kastanienallee 53 (U Hellersdorf)

Bei Fragen, Anregungen oder Hinweise könnt ihr euch jederzeit bei uns melden.

Wir freuen uns auf euch.

28.01. Hohenschönhausen: Solidarität für Flüchtlinge – Gemeinsam gegen Rassismus

Aktuelle Infos und den Aufruf finden Sie auch unter: http://lichtenberg.blogsport.de/
Seit Dezember 2014 kommt es regelmäßig zu rassistischen Mobilisierungen in Hohenschönhausen. Der Protest richtetet sich gegen die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften in Falkenberg und Neu-Hohenschönhausen. Bereits viermal fanden Neonazi-Aufmärsche statt, die vor allem von der NPD und ihrem Umfeld organisiert wurden. Dazu gab es zahlreiche kleinere Kundgebungen, u.a. von Pro Deutschland. Hand in Hand verbreiten Anwohner und (organisierte) Neonazis ein Klima des Hasses. Selbst vor offenen Gewalt- und Mordaufrufen wird nicht mehr zurückgeschreckt. Diese stellen gerade für die Bewohner*innen der Notunterkunft in Neu-Hohenschönhausen eine enorme Gefahr dar.Durch antifaschistische Interventionen konnten die Aufmärsche mit teilweise über zweihundert Teilnehmer_innen stark behindert werden. Jetzt mussten die Neonazis ihren wöchentlichen Aufmarschtermin von Dienstag auf Mittwoch verschieben. An diesen Erfolg müssen wir anknüpfen!

Deshalb kommt am Mittwoch, den 28.01.2015, alle nach Hohenschönhausen. Lasst uns gemeinsam auch den neuen Termin der Rassist_innen zum Desaster machen.

Kundgebung:

18:00 Uhr – Egon-Erwin-Kisch-Str. (Vor dem Bürgeramt, Nähe S-Bhf. Hohenschönhausen)

Mit musikalischer Unterstützung: Mal Elévé, Sänger von Irie Révoltés

27. Januar: Lichtenberg gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus werden am 27. Januar 2015 an folgenden Orten im Bezirk Lichtenberg Kränze und Gebinde niedergelegt:

  • 11.00 Uhr – Erinnerungsstelen für die Zwangsarbeiterlager in der Wuhlheide am Tierpark
  • 11.00 Uhr Ehrenmal an der Erlöserkirche
  • anschließend Gedenkstein für Erwin Nöldner/Nöldnerplatz
  • 11.00 Uhr – Gedenkstein Konrad Wolf Straße 92
  • 11.45 Uhr Gedenktafel Fennpfuhl
  • anschließend Gedenktafel Aronstein, Werneuchener Straße
  • 15.00 Uhr Gedenkstein auf dem Loeperplatz an der Kirche

mit kultureller Umrahmung durch die Lichtenberger Gruppe des Vereines Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA).

Aufruf: Rassist_innenaufmarsch verhindern 2.0 – Gemeinsam gegen Rassismus demonstrieren

Liebe Jusos, Liebe Interessierte, Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,
als Mitglied des Bündnis für Demokratie und Toleranz möchte ich den Aufruf zur Demo am 20.01.2015 bewerben.
Wieder einmal gilt es in Hohenschönhausen den Rassismus nicht die Straße und die Wohnviertel zu überlassen. Es ist wieder eine Rassistinnen- und Rassistenaufmarsch geplant, welcher nicht unbeantwortet bleiben soll. Daher treffen wir uns am 20.10.2015 – 18.00 Uhr
Egon-Erwin-Kisch-Str. (Vor dem Bürgeramt, Nähe S-Bhf. Hohenschönhausen)
Daher kommt bitte am 20.01.2015 um 18 Uhr nach Hohenschönhausen,
Den ausführlichen Aufruf des Bündnisses findet ihr unten!
Euer Kevin

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Say it loud, say it clear: Refugees are welcome here!

Ein Aufruf zu mehr antifaschistischen Protesten in Marzahn, Hohenschönhausen, Buch und Köpenick.

(von Merle Stöver)

Es ist kalt, es regnet, der Wind schneidet ins Gesicht. „Nein zum Heim“ und „Ausländer raus!“-Rufe werden über die breite Straße zu uns herübergeweht. Es wehen Deutschland-Fahnen und die hasserfüllte Botschaft der Transparente und Schilder ist deutlich zu lesen: Geflüchtete sind hier nicht willkommen. Einige Kilometer entfernt protestieren mehrere Tausende gegen Bärgida, den Berliner Ableger der rassistischen und nationalistischen Pegida-Demonstrationen. So erfreulich die Nachricht über die klägliche Mobilisierung zur Bärgida-Demonstration auch sein mag, für uns ist es ein Abend, der von Hilflosigkeit und Frustration geprägt ist. Es ist eine Chronik der Ohnmacht und Ratlosigkeit, die sich seit August 2013 in Marzahn-Hellersdorf, Hohenschönhausen, Köpenick und Buch fortschreibt und Grund für diesen Text ist.

August 2013: Geflüchtete beziehen die Asylunterkunft in der Carola-Neher-Straße in Hellersdorf. Auf der einen Straßenseite stehen Menschen mit „Refugees welcome!“-Schildern, auf der anderen Seite vermengen sich „besorgte Anwohner*innen“ und Nazis, deren einziges Ziel es ist, die Geflüchteten schnellstmöglich zu vertreiben. In einigen Situationen erinnern diese August-Abende an die Pogromstimmung von Rostock-Lichtenhagen, einige Antifaschist*innen bleiben über Nacht vor der Unterkunft, Nazis haben angekündigt, die Unterkunft anzugreifen. September 2013: Auf von der NPD gestarteten Demonstrationen marschieren tausende Menschen im sächsischen Schneeberg mit, mit Fackeln in den Händen rufen sie „Wir sind das Volk!“. Die Zahl der gegründeten Facebook-Seiten und Gruppen, in denen rassistisch gegen Unterkünfte gehetzt wird, vervielfacht sich 2014 rasant, überall finden sich Menschen, die von Hass geleitet auf die Straße gehen. Ende 2014: Woche für Woche werden die Pegida-Demonstrationen in Dresden und in anderen Städten größer, teils gehen über 20.000 Menschen „gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Es ist auch die Zeit, in der die wöchentlichen Proteste gegen Unterkünfte in ganz Berlin, vor allem in den Randbezirken, einsetzen. Jede Woche protestieren Rassist*innen im Mantel der „besorgten Anwohner*innen“ und der „Max Mustermänner“, ihre Sätze beginnen mal mit „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen..“ oder „Ich bin kein Nazi, aber…“, mal zeigen sie es unverblümter, brüllen aus vollem Hals „Ausländer raus!“, hetzen im Netz gegen die „linksversiffte Lügenpresse“ und organisieren den nächsten rassistischen Aufmarsch.

Die Bilder aus Rostock-Lichtenhagen gehen einer*m durch den Kopf: Ein wütender Mob, der Jagd auf Flüchtlinge macht. Doch es gibt diesen einen großen Unterschied. Denn wir wissen, was in Rostock 1992 passiert ist. Umso größer ist die Angst und Unruhe, wenn wir sehen, wie ungestört Rassist*innen und Demagog*innen bis vor die Unterkünfte gelassen werden, aus denen sich Geflüchtete teils nicht mehr heraustrauen. Umso stärker wird das Ohnmachtsgefühl, wenn Zeitungen Ressentiments in tausendfacher Vervielfachung verbreiten. Es ist auch klar, wozu dieser Hass, der Menschen auf die Straße treibt, führt: Er führt zu Gewalttaten gegen Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund, er führt zu gruppenbezogener Menschenfeindichkeit. Die Parolen werden lauter, die Hemmungen geringer. Es wird Druck auf Politik ausgeübt und führt zu menschenverachtenden Entscheidungen wie dem Asylkompromiss der 90er Jahre. Und auch jetzt schon hat die Große Koalition Serbien, Bosnien und Mazedonien zu sicheren Herkunftsstaaten erklärt. Es muss gelten, die unwürdige Unterbringung in Heimen und Lagern zu bekämpfen, es gilt, für ein globales Recht auf Migration einzustehen und Geflüchtete willkommen zu heißen.

Es ist 2015 und um menschenverachtende Parolen zu hören, muss man sich nicht auf einschlägigen Seiten herumtreiben, muss sich nicht zur NPD und anderen rechten Parteien begeben. Und die „besorgten Bürger*innen“ reden nicht nur – sie handeln auch. Sie sind da, jede Woche, mit Transparenten und Fahnen in den Händen und Hass in den Herzen. Und sie werden immer mehr. In Hohenschönhausen werden momentan zwei Sporthallen benötigt, um Geflüchteten eine Erstunterbringung zu bieten. Der Mob tobt. Er tarnt sich mit unschuldigen Anliegen wie dem Sportunterricht, schreibt sich „Denkt an unsere Kinder!“ auf die Schilder und schürt damit den Rassismus der Mitte. Und wenn man will, die Zeit und Kraft hat, dann kann man sich momentan jeden verdammten Tag in den Weg stellen: Montags tobt der Mob in Marzahn, dienstags in Hohenschönhausen, mittwochs in Buch, freitags im Allende-Viertel in Köpenick. Dazu kommen nun seit Kurzem die Gegendemonstrationen zu #Bärgida. Antifaschistische Bündnisse haben große Probleme für die Proteste außerhalb des S-Bahn.Ringes zu mobilisieren. Die langen Fahrtwege und die wöchentliche Wiederholung führen dazu, dass die Bereitschaft zu Gegenprotesten in den Randbezirken immer geringer wird.

Und ich? Ich habe Angst. Ich habe verdammte Angst, dass sich ihr Hass entladen wird. Dass es ihnen bald nicht mehr reicht, Schilder mit Hassbotschaften hochzuhalten, dass es ihnen nicht mehr reicht, ihre Deutschland-Fahnen zu schwenken, dass es ihnen schon bald nicht mehr reicht, vor den Unterkünften zu stehen. Die Übergriffe auf Geflüchtete häufen sich, an die Wände von Unterkünften werden regelmäßig Hakenkreuze geschmiert, immer wieder gibt es Brandanschläge auf Unterkünfte. Ich bin erschrocken, wo sich der Rassismus entlädt: Es braucht keinen Stammtisch mehr – es reichen die Boulevardblätter am Kiosk, die Gespräche in der S-Bahn, auf der Straße, in der Eckkneipe und im Hausflur. Ich fühle mich ohnmächtig und will über die Frage, wo das hinführen wird, nicht mehr nachdenken.

Was will dieser Text? Er ist ein Hilferuf. Er ist ein Hilferuf aus den Randbezirken. Er ist ein Hilferuf, weil Nazis ungestört direkt vor Unterkünften stehen können und „Ausländer raus!“ rufen. Ein Hilferuf, weil Geflüchtete Angst haben müssen, auf die Straße zu gehen. Ein Hilferuf, weil der deutsche Mob hier jede Woche tobt. Ein Hilferuf, weil wir wissen, was in Rostock-Lichtenhagen passiert ist.

Dieser Text ist ein Hilferuf, weil wir es alleine nicht schaffen.

Der große Unterschied zwischen den Randbezirken und Bärgida ist die Öffentlichkeit. An den Protesten gegen Bärgida beteiligen sich Bundespolitiker*innen und die Medien schauen dort hin. Auch wenn die Ereignisse der letzten Woche kaum Öffentlichkeit bekommen haben: Was hier passiert – sei es in Marzahn, in Hohenschönhausen, in Buch oder Köpenick, lässt uns ohnmächtig und fragend zurück. Ohnmächtig, nichts tun zu können. Fragend, was als nächstes passiert.

Für die Unterstützung der Geflüchteten ist es umso fataler, dass die eh schon immer kleiner werdende Gruppe der Antifaschist*innen in gute und schlechte Demonstrant*innen unterteilt wird. Während die Gegendemonstration, an der sich Parteien aus dem jeweils betroffenen Bezirk oft weit von der Route der Nazis entfernt beteiligen, außer Hör- und Sichtweite abgehalten werden, sind andere antifaschistische Gruppen unterwegs, werden mit Aggressionen und Schikanen seitens der Berliner Polizei konfrontiert, werden kriminalisiert und unsichtbar gemacht. Weder die Kriminalisierung von antifaschistischem Engagement noch das unverhältnismäßige Verhalten der Polizei sind hinnehmbar.

Wir rufen dazu auf, sich in jeder Weise an antifaschistischen Protesten zu beteiligen! Beteiligt Euch an Demonstrationen und Blockaden, kommt und seid laut, widersetzt Euch, stellt Euch in den Weg. Denn wenn der Zorn und Hass des Mobs so groß sind, dass er Woche für Woche auf die Straße geht, dann ist es Zeit, sich trotz Kälte und Regen geschlossen in den Weg zu stellen und mit fester Stimme zu sagen: Nie wieder Rostock-Lichtenhagen, keinen Meter den Faschist*innen!

Demonstration „Refugees Welcome – Gemeinsam gegen Rassismus.“

Zur folgender antifaschistischen Demonstration ruft das Bündnis für Demokratie und Toleranz in Lichtenberg auf:
Demonstration „Refugees Welcome – Gemeinsam gegen Rassismus.“
13. Januar 2015 – 18:00 Uhr – Egon-Erwin-Kisch-Str. (Vor dem Bürgeramt, Nähe S-Bhf. Hohenschönhausen) 
Seit Dezember 2014 marschieren Neonazis regelmäßig durch Hohenschönhausen. Zuerst protestierten sie gegen die geplante Eröffnung eines Containerlagers für geflüchtete Menschen im Dorf Falkenberg. Jetzt richten sie sich auch gegen die Einrichtung einer Notunterkunft im Ortsteil Neu-Hohenschönhausen. Die Proteste werden immer von der gleichen NPD-nahen Neonazi-Struktur getragen. Es droht die Gefahr, dass sich in Hohenschönhausen ein neuer Anlaufpunkt für gewaltbereite und aktionsorientierte Neonazis entwickelt.
Doch wir wollen den Faschos die braune Suppe versalzen. Am 13.1. gibt es eine antifaschistische Demonstration durch Hohenschönhausen. Wir überlassen den Neonazis nicht die Straßen. Deshalb unterstützt den antifaschistischen Protest!
Achtung: Laut Polizei haben die Rassist_innen für diesen Dienstag bereits eine Veranstaltung angemeldet. Mit unserer Demonstration kann dieser Aufmarsch verhindert werden. Deshalb kommt alle.

Polizei untersagt Proteste gegen einen rassistischen Aufmarsch in Hohenschönhausen

Pressemitteilung des Lichtenberger Bündnisses für Demokratie und Toleranz:

Das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz hatte am heutigen Samstag erneut zu Protesten gegen einen rassistischen Aufmarsch im Ortsteil Wartenberg aufgerufen. Es nahmen ca. 190 Personen daran teil. Zwei der angemeldeten Kundgebungen entlang der Aufmarschroute wurden von der Polizei vorab untersagt. Somit wurde das Wohngebiet nördlich der Falkenberger Chaussee allein rassistischen und ausgrenzenden Parolen überlassen. Der demokratische Protest in Hör- und Sichtweise war nicht mehr möglich.

Die Protestkundgebung beim S-Bhf Wartenberg beispielsweise wurde im Vorfeld von der Versammlungsbehörde mit der Begründung untersagt, dass dort der Aufmarsch enden würde. Tatsächlich sah das die Route des Aufmarsches aber gar nicht vor und es war auch nicht der Fall.

Dazu Anmelder Björn Tielebein (Fraktionsvorsitzender DIE LINKE Marzahn-Hellersdorf): „Es ist skandalös, dass demokratische und antirassistische Proteste in Zeiten rassistischer Mobilisierungen in Hör- und Sichtweite unmöglich gemacht werden. Nur eine breite bezirksübergreifende Zivilgesellschaft, die gehört werden kann, kann wirkungsvoll intervenieren und zeigen, dass in den Berliner Bezirken und anderswo kein Platz für rassistische und sozialchauvinistische Stimmungsmache ist.“

Anlässlich der Einrichtung einer Notunterkunft für Flüchtlinge durch das LaGeSo in zwei Turnhallen in dieser Woche, wurde unter dem Motto „Nein zum Asylantenheim in der Crivitzer Str.“ auf der Facebookseite „Kein Asylanten-Containerdorf in Falkenberg“ für den heutigen 10. Januar mobilisiert. Die Facebookseite ist Teil eines rassistischen Netzwerkes in Berlin, das unter dem Label „Berlin wehrt sich!“ agiert. Bereits am 16. Dezember und am 6. Januar hatte dieses Spektrum zu Protesten gegen ein geplantes Containerdorf in Falkenberg aufgerufen. Zu den beiden Aufmärschen kamen jeweils um die 100 Personen. Darunter Vertreter/innen von PRO Deutschland, Die Rechte und der NPD, rechte Hooligans sowie Aktivist/innen des „Nationalen Widerstand Berlin“. Die Teilnehmer/innen riefen Parolen, wie „Wir wollen keine Asylantenschweine“ oder „Nein zum Heim“.

Um diesen Parolen nicht den öffentlichen Raum zu überlassen wollte das Lichtenberger Bündnis Rassismus entgegen treten und Solidarität mit Flüchtlingen zeigen. Das dies unterbunden wurde verärgert angesichts der allerorten geforderten Zivilcourage und dem Eintreten für eine Willkommenskultur um so mehr.