Stille Helden

Wenn jetzt aufgefordert werden würde, sich einen Held vorzustellen, dann könnte an einen Comicheld aus der Kindheit gedacht werden. Es könnte aber auch an einen Held gedacht werden, der in der Presse stand und viel Gutes getan hat. Überdies könnte es eventuell ein tragischer Held aus der Literatur sein. Höchstwahrscheinlich würde dies ein bekannter Held sein. Jedoch gab es auch Helden, welche eher im Hintergrund agierten und große Taten im Stillen vollbrachten. Sie retteten mit ihren Taten viele Menschleben. Einige dieser Helden haben wir Jusos-Lichtenberg am Freitagabend kennengelernt. Wir besuchten, beim passenden kühlen herbstlichen Regenwetter, das Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt in den Hackeschen Höfen. Dort befindet sich eine Ausstellung zu einer bewegenden Geschichte.
Diese Geschichte erzählt von der Blindenwerkstatt Otto Weidt, welche zu Zeiten des 2. Weltkrieges Besen und Bürsten herstellte. Doch diese Werkstatt tat mehr als nur diese Herstellung. Otto Weidt beschäftigte hauptsächliche blinde und gehörlose Juden und gab diesen so die Möglichkeit für ein sinnvolles Leben zu Zeiten, als Juden ein armseliges Leben zugeteilt wurde. In einem Deutschland, welches die Juden nicht achtete, sie verfolgte, quälte und tötete.
Die Ausstellung erzählt dabei von den unterschiedlichsten Lebensgeschichten, welche sich alle auf Otto Weidts Bemühungen zurückführen lassen. Diese Bemühungen bezogen sich dabei darauf, seine jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter vor Verfolgung und Deportation zu schützen. Er ging sogar so weit, für einige von ihnen Verstecke zu suchen und neu zu erschaffen. Eines dieser Verstecke befindet sich im Originalzustand in der Blindenwerkstatt. Diesen Raum umgibt heute noch die spürbare Geschichte.
Wir Jusos empfanden diesen Abend als sehr bewegen und interessant und er stimmte uns auf folgende Arbeit ein: Auch in Hohenschönhausen gab es solche stille Helden, welche jüdische Mitmenschen versteckten und somit vor dem Tod bewahrten. Wir Jusos wollen uns dafür einsetzen, dass diese Geschichten und diese Helden bekannt werden. Dabei brauche wir Hilfe, jede und jeder die/der sich für ein solches Thema interessiert, wird dankend für diese Hilfe bei uns begrüßt. Diese Helden dürfen nicht vergessen werden, auch wenn sie damals still halfen, wollen wir an sie gebührend denken.
Fotos und Bericht: Kevin Hönicke
Tags: Stille Helden


21. Oktober 2009 um 09:14
Was sind Helden, und warum ehren wir sie? Zum Held wird nicht, wer die Vorlage für viele Kinofilme liefert, wer Statuen erhält, Straßennamen. Ein Held zu sein bedeutet vielmehr, sich Werten verschrieben zu haben und für den Erhalt dieser viel mehr aufzugeben, als andere sich jemals vorstellen können. Wie nennt man nun einen solchen Wert? Zivilcourage, in ihrer weitesten Form, beschreibt es vielleicht am Besten. Wir sollten unseren Helden gedenken, weil sie Zivilcourage besitzen oder besessen haben. Allzusehr darauf ausruhen dürfen wir uns dabei jedoch nicht. Wie viele werden von sich sagen, sie seien keine Helden. Besitzen sie deshalb keine Zivilcourage? Gerade das Gedenken an vergessene Helden, wie es hier praktiziert wird, ist ein Weg, jenen Wert zu reflektieren, der vielleicht zu einer der “Kardinaltugenden” sozialer Gesellschaften zählt. Gedenken ist allso dazu da, sich auch seiner eigenen Rolle bewusst zu werden, sich Werten gegenüber zu verplichten und diese auch zu leben.
Es ist wichtig, dass die Jusos dazu beitragen, eine stille Erinnerung lebendig zu halten um damit Bürgerinnen und Bürgern, nicht zuletzt in Lichtenberg, zu zeigen, welchen Wert Zivilcourage für uns hat.