„Vier Augusttage, die sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt haben“

In diesen Tagen jähren sich die Anschläge auf die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim in Rostock-Lichtenhagen zum 20. Mal.

Dazu erklären der Landesvorsitzende der Berliner SPD, Jan Stöß, und der Vorsitzende der AG Migration und Vielfalt in der Berliner SPD, Aziz Bozkurt:

„Die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen haben sich tief in unser Gedächtnis eingebrannt. In einer Atmosphäre, die von Hass und Abwertung geprägt war, in der Politiker und Medien von ‚Asylbetrügern‘ sprachen und ein Bild der Überfremdung zeichneten, eskalierte die Situation. Das Sonnenblumenhaus wurde nicht nur zum Synonym für rechtsextreme Gewalt, sondern auch für die Gefährlichkeit eines blind gewordenen Mobs.“

Jan Stöß dazu weiter: „Der 22. August markiert den Beginn von vier Tagen, in denen viele von uns ungläubig das Geschehen in Rostock verfolgten. Es macht mich heute noch sprachlos, wenn ich an die Dummheit und den Hass denke, den die Schläger und Brandleger vor Ort offen in die Kameras brüllten. In der Hansestadt und im ganzen Land hat sich seit 1992 viel getan, aber immer noch nicht genug. Auch wenn wir heute auf die Erfolge einer aktiven Zivilgesellschaft blicken können: Die NSU-Verbrechen im letzten Jahr und die erst kürzlich verübten Anschläge auf Demokratinnen und Demokraten in Berlin Treptow-Köpenick zeigen, dass Lichtenhagen kein Spuk war und die reale Gefahr von rechter Gewalt weiterhin groß ist.“

„Rostock war nicht der Tiefpunkt in unserer Demokratie“, so Aziz Bozkurt. „Das zeigen die rassistischen Diskurse und Morde der letzten Jahre. Vielmehr waren die Augusttage der Auftakt für einen zwanzig Jahre anhaltenden rechten Terror, dem hunderte Menschen zum Opfer fielen und der seinen vorläufigen Höhepunkt in der Aufdeckung der NSU-Taten fand. Und es war der Auftakt für die massive Erschütterung des Menschenrechts auf Asyl. Sowohl den rechtsextremen Fackelwerfern von damals und heute als auch dem johlenden Mob aus der Mitte der Gesellschaft muss ein Staat gegenüber stehen, der kompromisslos klar macht: Unsere Demokratie ist nicht nur auf dem Papier wehrhaft.“

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