Presseerklärung zum Brandbrief der Initiative „Grundschulen im sozialen Brennpunkt“

Die am 13.04.2010 veröffentlichten Berichte (beispielsweise in der Berliner Zeitung und im Tagesspiegel) zum Protestschreiben der Initiative „Grundschulen im sozialen Brennpunkt“ , an welchem über 1000 Lehrerinnen und Lehrer beteiligt sind, zeigen weiterhin große Mängel im Berliner Bildungssystem. Die Vergleichsarbeiten, in welchen seit 2007 Rechtschreibung, Mathematik und Lesen von Schülerinnen und Schüler der dritten Klasse überprüft werden, dürfen nicht zu einem Demotivieren und vor allem nicht zu einer „Form der Diskriminierung“ führen. Wenn Schülerinnen und Schüler Mathematikaufgaben nicht lösen können, da sie die Texte nicht verstünden, wird mit solchen Vergleichsarbeiten nichts erreicht, außer dass die Lernenden völlig überfordert und  hilflos vor solch einem Test sitzen. Diese können bei dem Test nicht mit Unterstützung rechnen, denn Lehrerinnen und Lehrer ist sämtliche Hilfe während der Durchführung der Vergleichsarbeiten untersagt. Ziel eines Bildungssystems darf es nicht sein, Schülerinnen und Schüler deutlich zu machen, dass sie nichts können, sondern vielmehr sollte es diese unterstützen und ihnen Bildungsinhalte näher bringen. Wenn Schulen nicht so ausgestattet sind, dass sie auf besondere Lernschwierigkeiten bei ihren Schülerinnen und Schülern eingehen und unterschiedliche Lernvoraussetzungen abbauen können, sind Vergleichsarbeiten sinnlos.  Daher können die Forderungen der  Lehrerinnen und Lehrer nach „kleineren Klassen, zusätzlich Deutsch-Förderstunden, mehr Sozialarbeiter und weitere Pädagogen mit Migrationshintergrund“ nur unterstützt werden. Solange es Unterschiede in personeller und materieller Besetzung von Schulen gibt, sollte nicht mit Vergleichstest gezeigt werden, dass  Schülerinnen und Schüler zu wenige Kenntnisse in den geprüften Themen besitzen. Des Weiteren wird die Auswertung nur in richtig oder falsch getätigt, sodass einzelne Verständniselemente nicht gezeigt und bewerten werden können, sondern nur das Ergebnis in den Mittelpunkt gestellt wird. Damit wird den Lehrerinnen und Lehrer keine differenzierte Auswertung zugetraut.

Aufgrund der Tatsache, dass die nächsten Vergleichsarbeiten schon Ende April bis Anfang Mai in den Berliner Grundschulen stattfinden, wird die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung aufgefordert, diesen Brandbrief ernst zu nehmen und entsprechende Maßnahmen zu treffen, sodass die Lehrerinnen und Lehrer nicht gezwungen sind, den Test zu boykottieren. Wir stehen in großer Solidarität zu den Lehrerinnen und Lehrer, sowie den Schülerinnen und Schüler.

Kevin Hönicke, stellvertretender Vorsitzender der Jusos-Lichtenberg

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