Immer Ärger mit der Kita – Betreuungsschlüssel wird jetzt endlich auch im Eigenbetrieb umgesetzt

Seit Januar 2011 gilt laut Kitaförderungsgesetz ein neuer Betreuungsschlüssel, der von den freien Trägern in Lichtenberg umgesetzt wird. Lediglich der Kitaeigenbetrieb NordOst, der sich in Bezirkshand befindet, hat es nicht für notwendig erachtet, diese gesetzlichen Vorgaben einzuhalten und missachtet damit den Willen vieler Eltern, die Qualität und die Betreuung in den Kitas weiter zu verbessern.Auf Druck durch die Unterschriftenaktion der SPD und der Jusos-Lichtenberg ist die Bezirksbürgermeisterin jedoch Mitte Mai eingeknickt und hat in ihrer Funktion als Vorsitzende des Verwaltungsrates den seit Januar 2011 geltenden Betreuungsschlüssel auch im Eigenbetrieb durchgesetzt. An der Kitaplatzsituation ändert dieses Handeln jedoch noch nichts. Über Jahre hinweg war die Veränderung des Betreuungsschlüssels bekannt, genauso wie die Probleme, die damit einhergehen. Die ausufernde Verwaltung sowie die Altersstruktur der Angestellten im Eigenbetrieb sind nicht erst seit gestern ein Problem. Eine langfristige Planung hätte hier Abhilfe schaffen und zu wesentlichen Verbesserungen führen können. Dies wurde schlicht und einfach versäumt. Inzwischen hat der Fachkräftemangel auch im Bereich der Erzieherinnen und Erzieher Einzug gehalten. Damit wird es dem Eigenbetrieb schwer fallen, auf kurze Sicht qualifiziertes Personal zu gewinnen. Die Konsequenz könnte einfach und erschreckend zugleich sein: um den Betreuungsschlüssel umzusetzen, muss das Verhältnis zwischen Kindern und Erziehern verändert werden, durch zusätzliche Einstellungen oder aber die Verringerung von Kitaplätzen. Letzteres können wir aber nicht wollen. Wenn aber nicht genügend ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen, wird dies real zur Verringerung von Kitaplätzen in unserem Bezirk führen. Damit torpediert die LINKE im Bezirk die Beschlüsse des Senats, in dem sie selbst sitzt. Einige könnten argumentieren, dass man in einer solchen Situation den Betreuungsschlüssel im Eigenbetrieb besser nicht hätte umsetzen sollen. Diese Option kann und darf es nicht geben. Der bezirkseigene Träger muss mit gutem Beispiel vorangehen, vor allem bei der Qualität der Betreuung. Diese kann nur durch kleinere Gruppen und bessere Förderung erreicht werden. Michael Heinisch, Geschäftsführer der Sozialdiakonischen Jugendarbeit Lichtenberg e.V. stellt dazu fest: „In den Kitas werden Kinder nicht einfach nur bespaßt und betreut. Wir erfüllen einen umfangreichen Bildungsauftrag, für den kleine Gruppen und gut ausgebildete Erzieherinnen unabdingbar sind.“ Was wir jetzt brauchen sind Werbekampagnen und Beschäftigungsstrategien, um Erzieherinnen und Erzieher für Lichtenberg zu begeistern. Ein großes Potential könnte auch bei verwandten pädagogischen Berufsgruppen liegen. Viele wissen gar nicht, dass auch ein Lehramtsstudium zur Erzieherin oder zum Erzieher befähigt und sich damit die Wartezeit auf ein Referendariat gut überbrücken lässt. Die letzten drei Jahre der Kita sind für die Eltern bereits kostenfrei, doch benötigen wir auch die notwendigen Kapazitäten. Wartelisten von weit über 300 Anfragen sind keine Seltenheit, auch bei uns in Lichtenberg. Zweifelsohne fordern solche Reformen das Land Berlin auch finanziell heraus. Eine verantwortungsvolle Stadtpolitik darf dabei jedoch die Interessen unserer Jüngsten nicht vergessen.

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